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Mrz 28

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André Blattmann: Servir et disparaître

Eine Würdigung von unserem Mitglied Felix Hunziker-Blum, erschienen in den Schaffhauser Nachrichten vom 27. März 2017*

Ende März wird Korpskommandant André Blattmann pensioniert. Seine wichtigste Errungenschaft? Die Armee hat ihre Verteidigungsfähigkeit zurückerlangt.

„Er war mit seiner Kommunikationsgabe und seiner Empathie, seiner Zugänglichkeit und seinem echten Interesse auch für zufällige Gesprächspartner der ideale Chef einer Volks-Miliz-Armee, ein Vorbild im Umgang mit Menschen.“ (© Ernst A. Hegi 2016)

Für seine Glückwunschkarte zum Jahreswechsel 2016/17 wählte Korpskommandant André Blattmann ein stimmiges Bild: Auf einer verschneiten Waldstrasse läuft ein Wehrmann mit Vollpackung auf eine Kurve zu, hinter welcher er verschwinden wird. Im Kartentext schrieb Blattmann: «Nun habe ich gepackt und mache mich auf den Weg.» Das Bild visualisiert «Servir et disparaître», ein Grundsatz, der nicht nur von hohen Offizieren unserer Armee, sondern auch von vielen Behördenmitgliedern befolgt wird.

André Blattmanns Mandat war im Dezember mit der Amtsübergabe an seinen Stellvertreter und Nachfolger Philippe Rebord beendet. Der Weg, der hinter dem Berufsoffizier Blattmann liegt, ist auf der Foto nicht sichtbar. Aber er ist diesen Weg konsequent gegangen, vom Flab-Kanonier bis zum Chef der Armee. Seine Ellenbogen musste er nicht einsetzen, um gefördert und befördert zu werden. Das ergab sich aus seinen Leistungen nach dem Übertritt vom Bankverein ins Instruktionskorps: Einführung der Flab-Lenkwaffe Stinger, Kommandant der Fliegerabwehrschulen in Payerne, Kommandant der Zentralschule in Luzern.

Als Bundesrat Ueli Maurer dem Bundesrat André Blattmann zur Wahl als Chef der Armee vorschlug, unkten natürlich Unken, der Vorschlag erfolge, weil auch er aus Hinwil stamme. Das ist Unsinn; seine Wahl drängte sich auf, weil Blattmann mit Menschen umgehen kann wie kaum ein anderer. Er war mit seiner Kommunikationsgabe und seiner Empathie, seiner Zugänglichkeit und seinem echten Interesse auch für zufällige Gesprächspartner der ideale Chef einer Volks-Miliz-Armee, ein Vorbild im Umgang mit Menschen. Er gehört zur Generation, der von Rolf Binder und anderen hohen Offizieren eine zeitgemässe Menschenführung auch im Militär vermittelt worden war, als Auftrag.

So zögerte Blattmann nicht, am 16. November 2016 in der Konzertpause auf der Treppe des St. Johann drei Re­kruten des Militärspiels anzusprechen und mit ihnen zu diskutieren. Eine solche Gesprächsgruppe ist in ausländischen Armeen völlig undenkbar. Auf die Frage, ob er am Schluss des Konzerts nicht noch etwas sagen wolle, antwortete er: «Gute Idee!», stieg am Schluss auf die Bühne und verabschiedete sich von den Schaffhauser Konzertbesuchern.

Die Schweiz und unsere Armee verdanken André Blattmann nach den acht Jahren seines Einsatzes sehr viel. Die Armee kann nicht mehr bloss schützen/retten/helfen, sondern wieder verteidigen. Die in der Armee 95 regelrecht vernichteten Mobilmachungsvorbereitungen sind zwar noch nicht operationell, aber gut und zeitgemäss geplant. Das Material der Bataillone, zuvor zentral gelagert und zu oft in nicht einsatzbereitem Zustand, wird wieder fest den Bataillonen zugeteilt. Grössere Truppenübungen ermöglichen wieder Verbandsausbildungen. Die militärischen Grundfähigkeiten für alle Lagen sind wieder erworben. Der abnehmende Bestand konnte konsolidiert werden. Blattmann legte ein starkes Schwergewicht auf die Kaderre­krutierung. In zahlreichen Veranstaltungen mit Wirtschaftsführern konnte er viele, auch Ausländer in Toppositionen in der Schweiz, von den Vorteilen der militärischen Kaderausbildung überzeugen: Armeekader sind wirklich sozialisiert, können mit Menschen umgehen. Ein deutscher Konzern berief daraufhin einen aktiven Schweizer Offizier zum Leiter einer Tochtergesellschaft in Süddeutschland, und die deutsche Geschäftsleitung machte beim Bataillon ihres Chefs einen Truppenbesuch.

Ende März scheidet André Blattmann nun auch formell aus dem Bundesdienst aus. Gewiss hätte er die Weiterentwicklung der Armee (WEA), die unter seiner Leitung konzipiert wurde, gerne auch selber umgesetzt. Doch die Politik verzögerte den Bundesbeschluss. Weil nun die Umsetzung der WEA weit über seine ordentliche Pensionierung hinaus dauern wird, machte er etwas vorzeitig Platz für seinen Nachfolger, der diese Umsetzung durchführen wird, loyal, eben: servir et disparaître. Seine Botschaft «Sicherheit!» wird noch lange nachwirken.

*Felix Hunziker-Blumist Rechtsanwalt in Zürich und Schaffhausen. André Blattmann und er leisteten von 1989 bis 1999 gemeinsame Dienste in Generalstabsfunktionen.

Der Beitrag wird hier mit der freundlichen Genehmigung des Autors wiedergegeben.

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